Freitag, 30. Mai 2008

Gefühle-Stiefkind unserer Leistungsesellschaft

Haben sie schon mal über das Wort "Verhalten" nachgedacht?
Es ist ja eigentlich zusammengesetzt aus dem Tunwort "halten" und der Vorsilbe "ver".
Spätestens wenn man sich das mal durch den Kopf gehen lässt und in Beziehung mit unserem "inneren Ich" stellt, kommt eines zum Vorschein: Das einfache Wort "Verhalten" drückt das aus, wie wir mit uns selbst umgehen. Also wie Gefühle durch unseren Körper hinaus ins Leben wollen. Das passende lateinische Wort dazu nennt sich übrigens "Emotion", was sich von "emovere" ableitete und das bedeutet soviel wie "hinausschaffen" oder "hinausbewegen". Ist ja eigentlich genau das Gegenteil, nicht wahr? Daher hat es mir heute angetan, diesen Widerspruch "Ausleben" und "Verhalten" zu durchleuchten.
Wann sehen wir denn eigentlich wirklich jemanden, der seine freien, lebendigen Bewegungen zeigt? Der ungestüm und ausgelassen ist? Im Gegenteil: In der Kindheit werden wir bereits in Gehschulen verbannt und in der Jugendzeit auf auf die Stühle gesetzt. Brav haben wir doch alle trainiert, unseren Bewegungs- und Ausdrucksdrang zurückzuhalten. Also jubeln wir kaum mit dem ganzen Körper und der ganzen Stimme, wenn wir einen Erfolg verbuchen. Ja wir schämen uns davor zu zittern, wenn wir vor anderen eine Rede halten. Oder am Ende des Kinofilms zu weinen. "Mami du heulst doch nicht etwa, du bist echt peinlich" meinte sogar kürzlich meine Tochter zu mir als ich verheult aus aus einem Schnulzen-Kinofilm trat.
Furcht, Scham und Peinlichkeit prägen unsere öffentliches Verhalten - und damit unser Verhalten. Also unser verhaltenes Verhalten. Und das Unglaublichste daran ist: Dieses Verhalten kommt uns normal vor. Lebendiger Ausdruck erscheint uns dagegen abnormal.
Also auch wenn das Wort "Verhalten" sichtlich falsch in unserem gefühlsdusseligen Alltag positioniert ist, es ist wie es ist und es bleibt wie es bleibt: Gefühle wachsen erst mit einem entsprechenden körperlichen Ausdruck. Sonst sinds ja eben keine Gefühle mit lebendiger Bewegung, sondern eben nur ein Verhalten.

Sonntag, 25. Mai 2008

Frauen sind anders....

Bin ich froh, dass die Erde rund ist und die Hexenverbrennung erst kürzlich abgeschafft wurde.
Und dass wir Frauen heutzutage arbeiten dürfen - sogar als Ärztinnen.
Sichtlich wurden diese aber bis vor kurzem nicht ernst genommen. Denn vor wenigen Tagen haben wir Frauen "die medizinische Erkenntnisse aller Erkenntnisse" von der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin (ÖGGSM) präsentiert bekommen: "Frauen sind anders". Wie anders? Na der Unterschied zwischen Frauen und Männern beschränke sich nicht nur auf rein äußerliche Merkmale udn dem kleinen Unterschied zwischen den Beinen. Nein da gibt es mehr. Auch viele Medikamente entfalten beispielsweise bei Frauen eine andere oder verstärkte Wirkung als bei Männern. Und auch Krankheiten zeigen bei verschiedenen Geschlechtern oftmals eine unterschiedliche Symptomatik.
Univ.-Prof. Dr.in Jeanette Strametz-Juranek, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Vorsitzende der Gesellschaft, betont vor allem den interdisziplinären Zugang dieser noch relativ jungen, aber zunehmend wichtigen, Disziplin: "Die Praxis beweist, dass zwischen Männern und Frauen signifikante Unterschiede bezüglich der medizinischen Versorgung bestehen. Dies schließt fast jeden Bereich mit ein. Aus diesem Grund ist es eine besonders wichtige Aufgabe unserer heutigen Gesellschaft eine fachübergreifende genderspezifische Aus- und Weiterbildung anzubieten und zu fördern."
In wissenschaftlichen Studien wurden somit bis vor kurzem geschlechtsspezifische Unterschiede komplett vernachlässigt. Die Ergebnisse aus Untersuchungen, in denen ausschließlich oder hauptsächlich Männern untersucht wurden, wurden einfach auf Frauen übertragen.
Heißt das nun, dass wir Frauen uns in Zukunft keinen falschen Bart mehr aufkleben und eine tiefe Stimme einsetzen müssen, wenn wir einen Arzt aufsuchen?
Ja tatsächlich! Wir dürfen endlich davon ausgehen, dass uns ein Arzt wie eine Frau und nicht mehr wie ein Mann behandelt.

Mittwoch, 14. Mai 2008

Genialer als jeder Computer...

sind wir Menschen. Wer das nicht glaubt, findet die Bestätigung auf der Ausstellung „Bodies“ im Wiener Gasometer City. Was da zu sehen ist, lässt einen das Blut in den Adern erstarren.
Wussten Sie beispielsweise, dass jeder einzelne Blutstropfen das Herz jede Minute einmal passiert und insgesamt über 100.000km Blutgefäße in unserem Körper vorhanden sind? Und dass unser Kreislaufsystem die Autobahn unseres Körpers ist? Das Blut darin transportiert alles, was unsere Zellen zum Leben benötigen. Das ist aber noch nichts gegen unser Nervensystem: Schneller als der leistungsfähigste Computer der Welt reguliert unser menschliches Nervensystem alle lebenswichtigen Funktionen des Körpers. Manche Gehirnzellen in Sekundenbruchteilen mit über 10.000 anderen Zellen eine Verbindung aufnehmen. Ein Blick auf unsere Hautzellen bringt uns noch weiter zum Staunen. Wie die Fasern eines Allwettermantels umhüllen sie uns. Das Keratin macht uns wasserdicht, die Blutgefäße, Schweißdrüsen und Haare regulieren dann nur noch unsere Körpertemperatur. Und dann erst der Verdauungstrakt: Wie eine der effizientesten Receyclinganlagen der Welt arbeitet dieses. Es zerlegt einfach die aufgenommene Nahrung und wandelt sie in für den Aufbau benötigten Stoffe und Energieträger um.
Jetzt sagen Sie aber nicht, dass Sie das alles bereits wussten?
Na gut, aber gesehen haben Sie es vielleicht noch nicht, oder?
Bis Ende August gibt es noch die einmalige Gelegenheit alles über die Anatomie unseres menschlichen Körpers zu erfahren. Die Ausstellung BODIS zeigt echte menschliche Körper und Organe, die durch eine spezielle Konservierungsmethode präpariert bzw. plastiniert wurden.
Mit Erstaunen und Ehrfurcht bin ich in diese seelenlose Welt der Körper eingetaucht.
(www.bodiesvienna.at, Tel. 0900 190 144 (53ct/min)

Montag, 5. Mai 2008

Kinder zu haben ist schön!

Darf ich denn überhaupt heute noch so laut von mir posaunen? Wo sich doch die „gute Hoffnung“ zunehmend verringert? Und Schwangerschaft, Geburt und die Pflege eines Säuglings heutzutage nur mehr als komplizierte Angelegenheit angesehen wird, welche Sorgen und Ängste weckt.
Je älter und selbstständiger meine eigenen Kinder nun werden, desto komischer wirken mir die Diskussionen rund um das Thema „Kinderkriegen“. Ist es nicht logisch, dass die Ankunft eines Winzlings den Alltag komplett umkrempelt und plötzlich alles größtenteils unplanbar macht?
"Es ist wahrlich nicht immer einfach mit einem solchen Kontrollverlust umzugehen", meint Paarberaterin und Diplompädagogin Ingrid Löbner dazu. "Genau das scheinen aber Frauen heute nicht mehr gelernt zu haben. Zu sehr sind beide Geschlechter in der Berufswelt verankert und die dort gültigen Kriterien wie Kontrollierbarkeit, Machbarkeit, Planbarkeit sind für junge Mütter bzw. das „neugeborene“ Paar plötzlich nicht mehr gefragt."
Worüber diskutieren wir eigentlich?
Dass Mutterwerden heißt, Kontrolle abzugeben? Eigene Wünsche hintanzustellen und auch mal nichts anderes zu schaffen als sich „nur“ um den Winzling mit seinen zunächst grenzenlosen, aller Planung entzogenen Bedürfnissen zu kümmern?
Die Natur hat sich etwas dabei gedacht, wie sie uns Frauen die Anlage gab, Mutter zu werden. Und sie gibt uns dafür auch viel zurück. Was? Eine Menge.
Aber wenn Sie Ihre Gesundheit planen und kontrollieren wollen, dann ein besonderes Zuckerl: Noch Jahrzehnte nach der Geburt befinden sich Zellen des Fötus in der Mutter und helfen ihr Krankheiten zu bekämpfen und gesund zu bleiben.