Mittwoch, 23. April 2008

Wir sind noch immer pandemisch?

Das Anti-Grippemittel Tamiflu gegen eine drohende Pandemie hat ein Ablaufdatum.
So wie alle Medikamente eben, ganz normal eigentlich.
Was jedoch nicht normal ist, ist die Menge über die wir hier reden:
Beinahe eine halbe Tonne davon hat beispielsweise das Land NÖ vor drei Jahren um 3,5 Millionen EUR gekauft und lagert seit dem in einem Keller. Groß muss der sein, der Keller. Alle Achtung.
In Wien sind es noch mehr. Um satte fünf Millionen EUR hat man sich da den Vorrat eingebunkert. Da muss der Keller noch größer sein.
Die Grünen sind in heller Aufregung, da das Medikament nur im Falle einer Grippe-Pandemie ausgegeben werden darf. Und sonst nicht. Dies wurde vertraglich so mit der Herstellerfirma ROCHE vereinbart.
Daher verrottet die Tabletten nun langsam in den großen Kellern und mutieren zu einer tickenden Sondermüll-Medikamenten-Bombe.
Die grüne NÖ.Landtagsabgeordnete Helga Krismer ist empört: "Wer dafür verantwortlich ist, war ohne Hausverstand".
Bekanntlich engagiert sich dieser nun für das Unternehmen BILLA, also kein Wunder.
Aber zurück zum Thema: Roche Manager Herbert Szwajor weiß sich zu helfen und verteidigt sich heute gegenüber der Zeitschrift KURIER: "Die Risikosituation hat sich nicht geändert. Die Pandemie-Gefahr besteht noch immer".
Wir sind noch immer pandemisch? Aber das wusste ich ja gar nicht? Sie etwa? Da laufen so viele medizinische News täglich über meinen Computer. Alle brennen darauf das Licht der Öffentlichkeit zu erreichen und eine der Wichtisten wird uns Journalisten und somit Ihnen liebe Leser verschwiegen?
Was mich aber noch mehr wundert: Wenn die Firma ROCHE das weiß, dann müsste sie aber auch wissen, "wie die Massen an Tamiflu-Tabletten entsorgt werden, wenn diese das Ablaufdatum erreichen". So lautete nämlich meine persönliche Anfrage an die Firma Roche aus dem Jahr 2006. Und auf die Antwort warte ich noch immer.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Toll, dass dieses heikle und teure Thema wieder einmal der Öffentlichkeit aufgezeigt wird.
Besonders positiv die kritische und direkte Aussage dieses Blogs - ich hoffe, dass darüber weiter recherchiert und berichtet wird.

Anonym hat gesagt…

In der "Kleine Zeitung" betont der Sprecher des Gesundheitsministeriums Markus Leithner: "es stimmt nicht, dass sie (Tamiflu-Vorräte Anm.) verrotten". "Es ist mit der Hersteller-Firma Roche eine Vereinbarung getroffen worden, dass diese Produkte überlagert werden können."
Das bedeutet, dass bei entsprechender Aufbewahrung über das Ablaufdatum hinaus gelagert werden könnte, wobei Experten dabei von einem Zeitraum von ca. zehn Jahren nach Ende des Haltbarkeitsdatums ausgehen.
Medikamente nach Ablaufdatum? Ist das vorsorgend bzw. kann garantiert werden, dass das Medikament wirklich hilft - oder kann es gar Schaden zufügen?
Man kann ja glücklich sein, dass der Zustand der Medikamente regelmäßig überprüft wird.