Freitag, 21. September 2007

Sackerl-Beschäftigung

Sackerln bzw. Tüten haben in Wien seit ein paar Monaten eine neue Bedeutung. Genau genommen, seit dem 4. Oktober 2006. Da startete die echt wienerische Aktion "Nimm ein Sackerl für mein Gackerl". Was das ist? Mehr als 30.000 Wiesenstecker wurden von den Wiener StadtgärtnerInnen in ganz Wien aufgestellt . Überall wo man mit Hund hinkommen könnte und in Sachen Entsorgung der Hinterlassenschaften seines Vierbeiners gestärkt werden muss, findet man sie. Also in Parks, Blumenbeeten und Grünstreifen entlang von Straßen. Auf diesen Wiesensteckern befindet sich das Bild eines kleinen, süßen Hundes mit Glupschaugen. Ein Jack-Russell-Terrier, wer es genau wissen möchte. Im Maul hält er eine Tafel, auf der steht eben "Nimm ein Sackerl für mein Gackerl". Ehrlich, als Hundehalterinnen unseres lieben Redaktionsmaskottchen in Gestalt eines Hundes, kurz auch "Wuschel" genannt, finde ich die Idee großartig. Endlich kann ich nichts mehr falsch machen. Muss mich nicht mehr anpöpeln lassen. Ich muss nur ein Sackerl bei mir haben. Und dieses natürlich auch gebrauchen, wann immer "Wuschel" mal muss. Selbst wenn ich nichts ausser dem Schlüssel um den Hals trage - in der Hosentasche steckt ein kleines Sackerl für Notfälle. Alle Jackentaschen sind gefüllt mit Sackerln, auch die meiner Kinder. Der Spruch "Hast ein Sackerl" hat bereits Trendcharakter. Mehr noch: Eine wahre "Sackerl-Manie" hat sich entwickelt. Als Hundebesitzer braucht es keine großartige Kommunikation mehr, um sich als solcher auszuweisen. Der Vorweis und auch nur die kurze Erwähnung des Wortes "Sackerl" genügt schon vollkommen. Und sobald der "Sackerlspender" in der Hundezone neu aufgefüllt wird, scharen sich gleich die Hundehaltermassen rund um den Automaten. Ich konnte heute Gott-sei-Dank gleich zehn Stück in Vorrat ergattern. Ganz schlimm ist es aber, wenn die freundliche Verkäuferin im Supermarkt mich an der Kasse fragt, ob ich "ein Sackerl bräuchte". Da zucke ich immer zusammen.
Und was sagt unser "Wuschel" dazu? Der ist von der Kampagne gegen Hundekot schwer geschockt. Das Sujet mit dem plastifizierten Jack-Russell-Terrier läßt ihm im wahrsten Sinn des Wortes die Haare zu Berge stehen. Seit gestern gibt es nämlich jede Menge neue Hunde, die im Gras hocken und unseren Wuschel immer gleich blöd angaffen. Und jedesmal schreckt es ihn und er knurrt. "Wo kommen die alle bloß her? Warum bewegen die sich nicht?" scheint er sich zu denken. Nun gut. Damit sich "Wuschel" an das Kampagnenmaskottchen gewöhnt, habe ich vor, heute zu dem Betreiber der Aktion im achten Wiener Gemeindabezirk zu gehen und einen Kampagnen-Hund für daheim zu holen. Angerufen habe ich schon. Ich muss ihn nur mehr abholen. Heute bis 15 Uhr hieß es. Also Sie sehen: Sackerln können einem schon ganz schön beschäftigen.

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