Gut drauf im April
Mehr als zehn Billionen Zellen, rund 200 Knochen und 400 Muskeln – daraus bestehen wir. Kaum zu glauben. Genial! Das muss man sich mal vorstellen. Was da für ein Wunder in jedem von uns steckt. Und funktioniert. Dank Sinnesorganen, Nerven, Gehirn und Hormonsystem orientieren wir uns in unserer Welt und steuern sämtliche Körperfunktionen. Nach außen grenzen wir uns gegen Mikroben, schädliche Stoffe und Wärmeverlust durch eine Schicht aus Haut und Haaren ab. Mit unserem Immunsystem wehren wir uns gegen Bakterien, Viren oder Parasiten. Und wenn wir durch eine Wunde oder einen Knochenbruch beschädigt werden, dann reparieren wir uns einfach selbst. Fünf Liter Blut pumpen wir jeden Tag mehr als tausendmal durch unseren Körper. Und 100 Milliarden Nervenzellen ermöglichen rund 100 Billionen Verbindungen und 1000mal mehr Zellen wirken zusammen. Das sind mehr als die Milchstraße Sterne besitzt. Klingt komplett, komplex und kostbar.....
Vielleicht eine Spur zu komplett, zu komplex und zu kostbar. Wie anders lässt es sich sonst erklären, dass wir uns die Frage nach der Rentabilität unserer Vermehrung stellen müssen? “Jedes Jahr, dass eine Frau die Geburt des ersten Kindes verzögert, lässt die Einkünfte der Frau um zehn Prozent ansteigen“ so eine rationale und wertfreie Studie der University of Virginia USA). Denn kinderlose Frauen arbeiten um fünf Prozent länger und sind daher besser im Job und kommen damit auch in den Genuss eines kontinuierlichen Gehaltsanstieges. Egal ob ungewollt oder gewollt nicht-schwanger: Finanziell gesehen haben Frauen die später oder gar nicht schwanger werden, davon profitiert, so die Studie. Kurzum: Weibliche Familiengründung darf als wirtschaftliche Fehlentscheidung angesehen werden. Ein komplexer Gedanke in unserem menschlichen Dasein: Wenn wir so genial sind, uns aber nicht mehr fortpflanzen, bleiben wir zwar wirklich kostbar. Aber das dafür komplett! Womit komplett, komplex und kostbar gleich komisch klingt.
Was täte der sichtlich vielseitige Anfangsbuchstabe “K“ ohne dem Wörtchen “Karriere“. Sie ist es, nach der Unzählige von uns streben, hart an der “Marke ICH“ arbeiten und keine Möglichkeit für Kinder sehen. Mal ehrlich, wie soll denn das auch funktionieren. Kinder brauchen nicht nur Zeit und Geld, auch jede Menge Energie. Das Risiko ist außerdem groß, dass der Nachwuchs sich dann gar nicht so entwickelt, wie man es á la Erfolgsrezept Cola, Waschmaschine, Luxusauto und Co. geplant hat. Wenn man sich als Marke in den ICH-Branding-Prozeß am Arbeitsmarkt verkaufen will, stört Kinderzeugung und Familiengründung die EigenPR empfindlich. Spitzenleistungen anbieten, markant sein, sich von seinen Mitbewerbern unterscheiden, sich “on top fo mind“ halten, also ganz oben in der Liste in den Hirnen der anderen - das baut man in unserer Welt durch Leistung im Job auf und nicht durch Windel wechseln. Also kurz: Wer eine klare Markenpersönlichkeit haben will, der muss mehr aus sich machen. Und damit ist nicht die Zellteilung in Form von Babybauch gemeint. Die schräge Idee, für die Marke Mensch Public Relations im Dienste von Erfolg und Ego betreiben, die stammt aber nun nicht von mir. Ich habe ja zwei Kinder relativ früh bekommen und glauben Sie mir: Wenn Selbstmarketing durch Kinderzeugung möglich wäre, wüsste ich es sicherlich. Das Stückchen Gedanken stammt aus dem Buch “Die Marke ICH® “ von Conrad Seidl und Werner Beutelmeyer, erschienen im Redline Wirtschaftsverlag.
Apropos Selbsthilfeprogramm für mehr Power. Gehen Sie doch einmal auf Spurensuche nach “Energie-Vampiren“. Maryan Stone gibt in ihrem gleichnamigen Buch (erschienen im Integral Verlag) gute Fahndungstipps nach Energieräubern. Wer die sind? Nein, nicht Draculas Urenkel. Sondern Menschen, Orte oder Situationen, welche uns unsere Energievorräte anzapfen und schrumpfen lassen. Bis man sich “ausgesaugt“ fühlt. Niedergeschlagen, lustlos, ständig müde, mit anderen Worten es fehlt uns die nötige Energie. Kennen Sie das? Manchmal ist es der ständig nörgelnde Nachbar, ein anderes Mal die intrigante Arbeitskollegin und mitunter auch der eigene Lebenspartner. Da Energie-Sauger meistens subtil und völlig ohne spitze Beißerchen zuschlagen, wird der Angriff auf ihre kostbare Lebensenergie von den Opfern erst einmal nicht so bewusst wahrgenommen. Je nach Charakter sie es abgesehen haben, verwenden die Vitalitätsdiebe verschiedene Methoden auf ihren Raubzügen. Besonders häufig energetisch zur Ader gelassen werden verständnisvolle Idealisten, gutgläubige Sinnsucher, selbstlose Helfer, Schüchterne und ausgeprägte Träumer-Naturen. Haben Sie nun Lust bekommen, das Beuteschema der Alltags-Nosferatus kennen zulernen? Dann sollten Sie sich das unterhaltsame Buch der Australierin zur Gemüte führen.
Lassen Sie sich durch meine Buchtipps ein wenig den Lesekopf verdrehen. Immerhin steht in dem Monat am 23. April ein besonderer Tag bevor. Der Welttag des Buches. Nichts also für Lesemuffeln. Obwohl es diese meiner Meinung nach sowieso nicht gibt. Lesemuffel wird oder bleibt man nur, wenn man noch nicht die richtigen Bücher für sich gefunden hat. Eine Buchklassikerin, welche vielen, vielen Kindern den Einstieg in die Buchwelt ermöglicht hat und es noch immer tut, ist “Die Nöstlinger. 1970 schrieb Christina Nöstlinger als Mutter zweier Töchter ihr erstes Kinderbuch “die feuerrote Friederike“. Dieses wurde auf Anhieb ein Erfolg. Seither sind über hundert Titel von ihr erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Meine Kinder sind bereits die dritte Generation von Nöstlinger-Lesern und bei uns kugeln jede Menge Bücher von ihr herum. Bücher, in denen sie die Wirklichkeit mit all ihren Freuden, Sorgen und Nöten so schildert, dass sich sowohl Kinder wie auch Erwachsene ernst genommen fühlen. Bücher, in denen sie schwerwiegende Probleme behandelt, verzwickte Familienverhältnisse, Scheidung und Ehekrise, Frustration und Flucht, Frauen- und Männerrollen, Schulprobleme, Umweltschutz und immer wieder ein Plädoyer für die Selbstbestimmung des Kindes hält. Nie fehlen bei ihr der köstliche Humor und die Ironie und ihre einzigartige Sprache mit den vielen Wortschöpfungen und Neuzusammensetzungen. Christine Nöstlinger hat mit ihren Büchern etwas geschafft, was gar nicht so einfach ist. Sie wollte, dass ein Erwachsener auch etwas von der Geschichte hat, die er seinen Kindern vorliest. (Info: HYPERLINK "http://www.welttagbuch.at" www.welttagbuch.at)
Können Sie sich noch an den “Dschi-Dschei-Wischer-Dschunior“ von Christine Nöstlinger erinnern? Seine kleinen wie die großen Sorgen und Nöte begleitete ganz Österreich täglich morgens im Jahr des Kindes 1979. Die Aussprüche des jungen “Wischers“durchs Radio wurden jedoch nicht immer nur goutiert. Ließ er doch den Mythos vom immer seeligen Kind und den stets perfekten Eltern mit einer lustigen Frische links liegen. Das ist nun schon wieder paar Jährchen her. Und schwups, schon befinden wir uns in einer vollkommen anderen Welt. Einer Vernunftgesteuerten und klar definierbaren. Computer, Technik, weltweite Netzwerke – alles ist in geregelten Bahnen. Bei so viel Logik könnte man glatt meinen, dass Magie und Mystik nur noch in Form von Glückskeksen oder japanischen Bambusgewächsen vorkommen. Weit verfehlt. Immer mehr Menschen tragen gerne "bedeutungsvolle" Armreifen, Piercings oder Halsketten. Bücher über vergangene Kulturen, Zauber, Rituale, Hexen und Esoterik boomen. Vielleicht als mystischen Gegenpol zur allzu vernünftigen Welt? Je rationaler unsere Gesellschaft wird, desto größer scheint die Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen zu werden.
Unsere Gesellschaft verändert sich derzeit verdammt schnell. Erschreckend schnell. Wenn man es genau betracht. Trendforscher Joseph Scheppach vom Zukunftsinstitut Matthias Horx drückte es so aus: “Um die nächste Hürde der Informationsgesellschaft bewältigen zu können, benötigen wir ein neues Verständnis der kulturellen und sozialen Dimension von Technik. Eine Evolution von High Tech zu Smart Tech.“ Was das ist? Kommunikationsfähigkeit und der Umgang mit Menschen. Das rät der Forscher jungen Menschen sich anzueignen. Es sei das Wichtigste, denn die fachlichen Qualifikationen wird ein junger Mensch hinkriegen. Viel wichtiger sei es mit Menschen reden zu können, so Scheppach. Tut das nicht gut, das zu hören? Ich dachte echt schon, schön langsam übernehmen klappernde Automaten sämtliche Funktionen von Menschen. (SN)
So abwegig ist das nicht. Sprachmodule machen auch das schon möglich. So kann die Kafeemaschine heute schon nach meinen Wünschen fragen: "Espresso, Kaffee oder Durstlöscher". Nach verrichteter Arbeit verabschiedet sich der Automat mit einem freundlichen "Lassen Sie es sich schmecken". Oder Ärzte können mittels Sprachsteuerungen Einstellungen am Monitor von Operationsgeräten vornehmen. Kinder lernen die Sprache mittels Massenchip in cleveren interaktiven Spielzeugen. Und über Bahnverbindungen informieren Sprachcomputer präzise, geben Kinotipps, nehmen Bestellungen entgegen, beraten Kunden kompetent bei der Installation technischer Geräte, erfassen Zählstände, servieren Tickets, vergeben sichere Passwörter oder erinnern Schuldner an ausstehende Zahlungen. Sie sehen, rund um die Uhr sind die flinken Helfer bereits heute im Einsatz. Also keine Hirngespinste.
Geräusche sind damit in unserer technisierten Welt allgegenwärtig. Viele fallen uns schon gar nicht mehr auf: Der Verkehr, die vielen kleinen und großen technischen Hilfsmittel, die unser Leben erleichtern sollen. Und nicht zu vergessen: die Freizeitaktivitäten: Sie alle bilden einen grenzenlosen Lärmteppich und zählen zu den ältesten der Umweltproblemen unserer Tage, welche von breiten Bevölkerungsschichten wahrgenommen und beklagt wird. Während langer Zeitspannen hatte der Urmensch nur die Geräusche der Natur auszuhalten. Es traten Geräusche sehr hoher Lautstärke auf. Doch sie waren meistens verknüpft mit lebensbedrohenden Vorgängen, z.B. dem Gebrüll von Raubtieren, Sturm, Hochflut, Blitzschlag oder Erdrutsch. Lärm bedeutete Gefahr und erregte Angst. Der Philosoph, Pädagoge und Psychologe Eduard Spranger meinte einmal dazu: “In den letzten Jahrzehnten verstärkt sich die Intensität der nahezu pausenlos auf uns einwirkenden Geräusche dermaßen, dass man die völlige Vernichtung unseres geistigen Lebens befürchten muss!“ Warum ich Ihnen darüber berichte, fragen Sie sich nun vielleicht? Weil am 20. April 2007 der “Tag gegen Lärm“ stattfindet. Er sollte uns daran erinnern: Ruhe ist ein Grundbedürfnis für Wohn- und Lebensqualität, Erhaltung der Gesundheit und Vitalität. Und sollte eigentlich als Grundrecht in jedem Umwelt- und Parteiprogramm stehen, ebenso wie der Schutz der Flora und Fauna.
2 Kommentare:
fein, dass man sie jetzt nicht nur im newsletter sondern auch im blog lesen darf. vielleicht können sie da auch mehr nützliche tipps geben. sie machen das immer ganz reizend und super.
Warum gibt es nicht öfter mal was von ihnen zu lesen? Newsletter gabs schon lange keinen und hier leben Sie ja auch noch im Mai!?
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