Montag, 28. Juli 2008

Bankhofer-Hype: Schreib oder stirb

“Leben ist das was passiert, während du gerade dabei bist, andere Pläne zu schmieden” , hat John Lennon zu Lebzeiten einmal wunderschön formuliert.
Und wir wissen selber alle, wie schnell im Leben sich alles ändern kann.
Quasi über Nacht.
So hat es nun auch Prof. Bankhofer erlebt. Nach langjähriger Zusammenarbeit mit dem WDR wurde er über Nacht plötzlich hinauskomplimentiert. Anonyme Blogger warfen ihm Schleichwerbung vor, dokumentierten den Vorwurf gekonnt aufbereitet auf Youtube und sendeten vor sechs Tagen das Datenmaterial an den ARD, WDR, Das Erste, den Presserat, Werberat und an die deutschen PR Gesellschaft eV, die sich um die Wahrung des PR Codices kümmert.
Quasi über Nacht und als Bankhofer erwachte, war bereits ein großer Bankhofer Hype im Gange.
Stündlich ein neuer Bericht, ein neuer Blog. Die Homepage von Prof. Bankhofer www.prof.bankhofer.at bzw. www.prof-bankhofer.de erlebt explosionsartige Zugriffe.
Dass er keine Stellungnahme zu den Schleichwerbungsvorwürfen auf seiner Homepage gibt, war zu erwarten. Wer ihn persönlich kennt, weiß wie traurig, enttäuscht und sprachlos gerade Bankhofer über die ganze Sache nun ist.
Traurig und enttäuscht auch viele seiner Anhänger, seine Gegner und Neider dagegen hoch erfreut.
Wer in der Öffentlichkeit steht, hat natürlich nicht nur Freunde, sondern auch Feinde.
Wer dazu noch in Sachen Gesundheit öffentlich Meinung bezieht, umso mehr. Besonders wenn seine Aussagen nicht ins Konzept der „Evidence-Based-Medicine (EBM)“ passen.
Bankhofers Gesundheitstipps haben wohl kaum etwas mit den medizinischen Schlagwörtern „Qualitätssicherung“ und „Health Technology Assessment“ am Hut.
Wissenschaftliche Medizin steht im krassen Gegensatz zu intuitiver und erfahrensbasierter Medizin wie irgendwelche Melissen-Kräuterchen.
Denn empirische Forschungen belegen ganz genau, wie und wann und warum unser Körper auf welches Medikament reagiert - und zu reagieren hat.
Und systematische Fehler liegen im medizinischen Erkenntnisprozess vor, wenn Zuwendung, Aufmerksamkeit, Optimismus, Hoffnung und Vertrauen plötzlich Heilungserfolge zeigen.
Ich arbeite seit mehr als 14 Jahren als Journalistin im Gesundheitsbereich und kann nur eines sagen: Schreib oder stirb, lautet das Motto.
Nicht nur unter Journalisten wie Bankhofer.
Sondern auch Menschen in akademischen Disziplinen wie Mediziner und Wissenschafter stehen seit einigen Jahren unter steigendem Publikationsdruck.

Montag, 21. Juli 2008

Schuld und Sünde und Beichte...

Sommer ist draussen und in der Stadt nix los. Die Straßen hier in Wien sind beinahe leer.
Auch unser Redaktionshund wuschelt einsam und verlassen auf der Hundezone herum und wartet auf Spielgefährten.
Während ich auf einer Parkbank sitze und mit einer Freundin plaudere..... und plaudere..... und plaudere....
Und bei welchen Thema landen wir wieder einmal? Klar doch - wie immer bei unseren pubertierenden Kindern!
Doch diesesmal bekommt unser Gespräch einen wahrhaft tiefsinnigen "touch": Schuld und Sünde und Beichte.
Wow, was für drei schwerwiegende Begriffe. Meinen wir anfangs, doch dann stellen wir fest, dass alle drei längst an bedrohlicher Dimension verloren haben. Nix ist heut mehr so wie früher zu Großmutters Zeiten. Scheinbar haben uns Psychiater und Psychotherapeuten erfolgreich von Gewissensbissen und Schuldgefühlen befreit. Die moderne Hirnforschung tat dann noch den Rest und hält den Menschen prinzipiell ohnehin nicht für schuldfähig. Also "sündigen" wir heute bestenfalls noch, wenn wir ein Stück Torte essen oder ein Glas über den Durst trinken. Kirchenvertreter und Theologen beklagen bereits das Verschwinden der Sünde und meinen, dass viele Menschen kein Bewusststein mehr für richtig und falsch hätten.
Auch wenn ich die Begriffe "Schuld und Sünde und Beichte" in unserer freiheitlichen Gesellschaft nicht mehr sehr zeitgemäß finde. Der Wunsch nach Zuspruch der Vergebung und nach Erlösung von Schuld und anderen Lasten ist heutzutage größer denn je. Und er drückt so vielen von uns mit Schmerzen aufs Gewissen und auf die Seele.
Dabei sollte es nicht um die Pflege von Schuldgefühlen gehen. Sondern um das Eingestehen von Fehlern.
Wer Kinder hat, kommt nicht umher sich mit dem "Richtig und dem Falsch" und mit "Schuld und Sünde und Beichte" zu beschäftigen.
Das sind wir nicht nur unseren Kindern, sondern auch unserer nächsten Generation schuldig.
Denn: Zerstört ist schnell etwas.
Manches dauert ewig bis es wieder aufgebaut ist.