Freitag, 23. November 2007

Musikalische Stöpsel-Zombies

„Wo muss ich denn bitte aussteigen, wenn ich zum Stephansplatz kommen möchte“ fragte heute jemand freundlich in der Wiener U-Bahn einen jungen Burschen. Dieser schaute abfällig, griff dann langsam zu seinen Ohren, zog den Ohrstöpsel seines MP3-Players heraus und antwortete: „Was wollen Sie“? Zwei anderen Fahrgäste gaben dem Fragenden schnell die Antwort und der Ohrstöpfselträger stopfte sich sofort seine Musik wieder ins Ohr und war schon wieder geistig abwesend. In Wien´s öffentlichen Verkehrsmitteln geistern immer mehr solcher Zombies aus musikalischen Sphären herum, die ihre Mitmenschen, welche nur wenige Zentimeter neben ihnen stehen oder sitzen, gar nicht wahrnehmen. Stellen Sie sich vor, letztens wollte sich doch beinahe ein Fahrgast auf mich setzen, so weggetreten war er in seinem musikalischen Sinnesrausch. Gott sei Dank bemerkte er meine abwehrenden Hände noch rechtzeitig, denn meine Stimme konnte er ja nicht hören. Bis zum heutigen Ereignis hat es mich nicht gestört, dass jeder die Freiheit hat, in seinen Lauschern zu hören was, wann und wie laut er will. Aber heute hat es mir gereicht. Diese Freiheit geht ja bereits in Gefangenschaft über. Wie kann sich jemand von Kopfhörern soweit seiner Sinne berauben lassen, dass er seine Umwelt nicht mehr wahrnimmt?

Keine Kommentare: