"Brücken bauen"
"Am schwersten lernt man im Leben, welche Brücken man benutzen und welche man abbrechen soll".
Welch wahre Lebensweisheit fällt mir heute zufällig in die Hände. Und das so kurz vor Jahreswechsel. Ja, das passt. Und ist gleich ein günstiger Moment, um das Jahr 2008 Revue passieren zu lassen.
Geht es Ihnen beim Rückblick in das ausklingende Jahr wie mir? Getreu dem anfangs erwähnten Spruch frage mich dann immer, was mir an dem Jahr gefallen hat und was nicht - also welche Brücken benütze ich gerne weiter, welche könnte ich abbrechen und welche baue ich gänzlich neu?
Und während ich nun diese Fragen im Tauchgang meines Gehirns beantworte, folgt nur ein einziger Gedanke: Ich hatte selten verrücktere Jahre wie das Jahr 2008. "Ver-rückt" im wahrsten Sinn des Wortes. In jedem Bereich meines Lebens haben sich die Brücken verändert: Sei es die Kinder, die Familie, die Freunde, sei es der Job, die Freizeit, natürlich auch die Finanzen.
Ich habe in dem Jahr unzählige Brücken aus der Vergangenheit wieder aufgesperrt, die ich seit meiner Jugend abgebrochen hatte. Ich habe einige Brücken ein wenig umgeleitet oder ausgebaut. Und ich habe die größte aller Brücken endgültig abgebrochen, die ich eigentlich nie abbrechen lassen wollte. Die zu meinem langjährigen Ex-Freund.
Mit einer wirklichen "tollen" Erkenntnis: Welche Brücke man benutzen und welche man abbrechen soll, kommt leider oftmals erst, wenn man kopfüber ins Wasser plumst. Denn beim Brückenbauen geht es wie überall im Leben auch um die Qualität. Manche Brücken sind so wackelig und endlos lange, dass man mit ihnen nie das andere Ufer erreicht, so gerne man auch möchte. Etwas, was meine Kinder schon längst wissen und doch immer wieder aufs Neue wissen wollen. Denn in jedem Urlaub und bei jeder Witterung müssen wir in der Ybbs mit Steinen und Holz jede Menge Brücken bauen. Stundenlang. Und wie das Amen im Gebet endet es damit, dass eines der Kinder immer ins eiskalte Wasser purzelt. Was folgt ist dann immer total süß: Zuerst werden die nassen Kleider vom Körper gerissen, die anderen Kinder geben jeder ein Stück von sich her damit nicht nur das nasse Kind friert, sondern gleich alle zusammen. Und dann ab ins Auto und schnell nach Hause. Dort brauchen dann natürlich auch alle Kinder zusammen ein warmes Bad mit anschließendem Tee und dicker Decke vorm Kamin und Knabberzeug und Geschichte......die Kids lieben diesen "Kick".
Naja, blöd eben nur, dass dieses lustige Notfallprogramm bei den "Lebens-Metapher-Brücken" dann nicht mehr zur Verfügung steht.